23.05.2017
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Presse-Archiv

Hier finden Sie alle Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme in chronologischer Form.



Pressemitteilung vom 05.08.2012

PRESSE‐ERKLÄRUNG der TeilnehmerInnen des Internationalen Jugendworkcamps 2012 in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme
30 Jahre Internationale Workcamps in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme


Seit Sonnabend, den 28.7.2012, findet in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme das Internationale Jugendworkcamp 2012 statt. 13 junge Menschen aus 9 Ländern sind nach Hamburg gekommen um sich mit der Geschichte des KZ Neuengamme auseinander zu setzen. Sie sind nicht die ersten die diesen Weg nehmen, bereits 1982 fand das erste Internationale Jugendworkcamp in Neuengamme statt. Darum steht das 30‐jährige Jubiläum der Workcamps dieses Jahr thematisch im Mittelpunkt. Die TeilnehmerInnen werden die Geschichte der Internationalen Workcamps in Neuengamme recherchieren und mit einer Ausstellung würdigen.

Als 1982 das erste Workcamp durchgeführt wurde, standen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme noch zwei Haftanstalten der Stadt Hamburg. Die Geschichte des KZ warselbst in Hamburg kaum bekannt. Die meisten Überreste des ehemaligen Lagers waren nicht zugänglich und an die heutige KZ‐Gedenkstätte war noch nicht einmal zu denken. Junge Menschen aus aller Welt wollten dies nicht länger hinnehmen und setzten sich dafür ein, die Spuren des ehemaligen KZ freizulegen. So wurden die ersten Rundwege auf dem Gelände geschaffen und eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ Neuengamme angestoßen.

In den folgenden Jahren kamen immer wieder unterschiedlichste Menschen zu den Workcamps, um diese Arbeit weiterzuführen. Ohne ihr Engagement gäbe es die KZ‐Gedenkstätte Neuengamme nicht in ihrer heutigen Form. Deswegen wird es nach 30 Jahren Zeit, diese Geschichte ausführlich zu erzählen. Dafür
wurden auch Beteiligte der ersten Camps interviewt.

Die TeilnehmerInnen des diesjährigen Workcamps blicken aber nicht nur in die Vergangenheit. Am 1. August nahmen sie am „Ohlsdorfer Friedensfest“ und dem dortigen Begegnungscafe ehemals NS‐Verfolgter teil. Und am heutigen Montag werden sie sich am Hiroshimagedenktag beteiligen. Gerne werden sie dort der Einladung des “Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal” folgen und den sog. Kriegsklotz am Dammtor symbolisch mit Picassos „Guernica“ verhüllen.

Eröffnung der diesjährigen Workcamp‐Ausstellung:
Donnerstag, 9. August 2012 um 15 Uhr im Studienzentrum der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme, Jean‐Dolidier‐Weg 75
Zum Besuch des Workcamps und Gesprächen mit den TeilnehmerInnen laden wir Sie herzlich ein. Wir stehen für Interviews und Nachfragen zur Verfügung, Foto‐, Ton‐ und Videoaufnahmen sind erlaubt.

Hintergrundinformationen:
Das KZ Neuengamme wurde während der Kriegsjahre mit über 80 Außenlagern zum zentralen Konzentrationslager für Norddeutschland ausgebaut. Die größte Häftlingsgruppe kam aus der Sowjetunion. Als Folge des Prinzips der "Vernichtung durch Arbeit" überlebte nur die Hälfte der insgesamt etwa 100.000 Häftlinge. Bis vor kurzem befanden sich außer der Gedenkstätte noch zwei Haftanstalten auf dem ehemaligen Lagergelände, die inzwischen abgerissen sind.
Seit 1982 finden in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme internationale Jugendworkcamps statt. Das diesjährige Workcamp ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Service Civil International (SCI) und der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.. Die diesjährigen TeilnehmerInnen kommen aus Deutschland, Kirgistan, Polen, Russland, Serbien, Slowenien, Taiwan, Tschechien, der Türkei und der Ukraine. Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme (AGN) wurde 1948 als nteressenvertretung deutscher ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen gegründet.
Seitdem fördert und pflegt sie den Kontakt und Zusammenhalt zwischen den Überlebenden des KZ Neuengamme und sieht sich der solidarischen Unterstützung ehemaliger Widerstandskämpfer/innen und Verfolgten des Nazi‐Regimes verpflichtet. Mitglieder der AGN sind nicht mehr nur ehemalige Häftlinge des KZ Neuengamme und seiner Außenlager bzw. deren Angehörige und Hinterbliebene. Alle, die die Ziele des Vereins unterstützen und in seinem Sinne für Frieden, Humanität, für die Abwehr jeglicher Versuche der Relativierung der NS‐Verbrechen, gegen die Verunglimpfung der von den Nationalsozialisten Verfolgten und Ermordeten einstehen und die aktive Erinnerungsarbeit unterstützen, sollen und können Mitglied der AGN sein.
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Pressemitteilung vom 22.09.2012

Angriff auf ehemalige Zwangsarbeiterinnen
und Zwangsarbeiter in Hamburg‐Bergedorf am 21.09.2012
Mit Bestürzung und Wut hat die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme von einem gewalttätigen Angriff auf eine Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie ihrer Angehörigen in Hamburg‐Bergedorf erfahren.
Diese waren aus Polen angereist, um der Einweihung des Mahnmals am Schleusengraben beizuwohnen, das an den Arbeitseinsatz tausender Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und Häftlinge des KZ Neuengamme während des Zweiten Weltkriegs in Bergedorfer Betrieben erinnern soll.

Zu Beginn der Veranstaltung rannte ein Mann auf die hoch betagten Menschen zu und sprühte ihnen Pfefferspray ins Gesicht. Acht Personen mussten ärztlich versorgt werden. Doch es sind vor allem die seelischen Schmerzen dieser Menschen, die uns mit Wut und Trauer erfüllen. Offensichtlich wollte der Angreifer den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung die Anerkennung ihrer Leiden verweigern und traumatisierte sie damit ein weiteres Mal. Die unverletzten Mitglieder der Delegation entschieden sich, die Zeremonie, die trotz des Zwischenfalls fortgeführt wurde, geschlossen zu verlassen, mussten aber abseits stehend noch warten, bis sie abgeholt wurden.

Dieser Anschlag schade dem Ansehen Deutschlands und sei „eine Schande für Deutschland“ war in der Presse zu lesen. Das Ansehen Deutschlands ist allerdings absolut nebensächlich, denn hier geht es um die Menschen, denen – wieder einmal – in Deutschland und von Deutschen geschadet wurde.

Bergedorf hat eine aktive rechte Szene ‐ ist dies der Bergedorfer Polizei nicht bekannt? Warum wurden nicht mehr Menschen zum Schutz der Veranstaltung eingesetzt? 20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock‐ Lichtenhagen und fast ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Morde durch den NSU berichten Organisationen gegen rechts und Opferberatungsstellen rechter Gewalt, dass trotz der Sonntagsreden von Politikern die Strategie von Polizei und Justiz großteils unverändert darin besteht, rechte Gewalt zu verharmlosen und zu verbergen.

Angriffe rechter Schläger werden häufig als Streit unter Jugendlichen oder als Taten sogenannter Spinner oder Einzeltäter verharmlost. So auch in diesem Fall. Ob der Angreifer psychisch verwirrt war oder nicht: Sein Angriff war offensichtlich geplant und politisch motiviert.

Fast 68 Jahre nach der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager gehören rechtsradikale und rassistische Anschläge auf Gedenkstätten, jüdische Friedhöfe, auf Juden (wie kürzlich in Berlin), auf Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge oder wie in Bergedorf auf Überlebende der NS‐Verbrechen, wieder vermehrt zum bundesdeutschen Alltag.

Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, als Organisation der politischen Überlebenden des KZ Neuengamme gegründet und heute Organisation ihrer Angehörigen und Unterstützer, fordert von Bezirk Bergedorf, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bundesregierung, von Polizei und Verfassungsschutz und nicht zuletzt von jedem Einzelnen:

Nehmen Sie endlich zur Kenntnis, dass es in Deutschland rechte Gewalt gibt!
Hören Sie auf, wegzuschauen und zu verharmlosen, denn damit wird das Problem nicht gelöst.

Projekte gegen rechte Gewalt sind seit langem von Mittelkürzungen betroffen. Dies muss sich ändern, um zu gewährleisten, dass ein Klima geschaffen werden kann und Menschen vor Übergriffen wie diesem geschützt sind.

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