Archiv für den Monat: April 2014

GENERATIONEN. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen

Fotoausstellung

Mark Mühlhaus eindrucksvolle Aufnahmen, die im Rahmen von Veranstaltungen in Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und Polen entstanden, zeigen auf künstlerische Weise verschiedene Generationen des Erinnerns: KZ-Überlebende besuchen die alten Orte ihres Leidens, werden von ihren Angehörigen begleitet, treffen einander und begegnen Jugendlichen. Junge und alte Menschen reden oder schweigen, gedenken miteinander, sprechen und lachen oder trauern gemeinsam. Die nachdenklichen, traurigen, aber auch teils fröhlichen, ja fast übermütigen Photos, dokumentieren den Bezug der unterschiedlichen Generationen zueinander und regen dazu an, über die Weitergabe und die Zukunft des Erinnerns nachzudenken.

Denn nicht nur HistorikerInnen und GedenkstättenpädagogInnen, auch und besonders die Überlebenden selbst, wie Toni Dreilinger aus Israel, sorgen sich, die Erinnerung könne mit ihnen sterben: Wir haben Angst, dass es verloren geht nach unserem Tod. Wir werden nicht ewig da sein. Viele ZeitzeugInnen besuchen aus diesem Grund bis ins hohe Alter die ehemaligen Orte ihres Leidens. Sie treffen junge Menschen, erzählen wieder und wieder von ihren Erfahrungen im KZ, vom Verlust ihrer Familien, ihrer Würde, ihrer Hoffnungen, von Demütigungen, Schlägen, Hunger und Tod. Und die jungen Leute, die diese ZeitzeugInnengespräche besuchen, honorieren dies, wie Robert, Teamer eines Workcamps in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen 2010 berichtete: Die Jugendlichen merken, wie besonders es ist, dass jemand eine so negative Erfahrung mit ihnen teilt und wie persönlich Zeitzeugen dann aus ihrem Leben berichten, über Sachen, die wirklich grausam sind und über die es schwer fällt zu sprechen. Und dass die Zeitzeugen diesen Schritt gehen, über ihre Erlebnisse zu sprechen und das ihnen fremden Jugendlichen anzuvertrauen, das empfinden diese wirklich als etwas Besonderes und dafür sind sie dankbar und interessiert. Und wann hat man schon mal Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren, die eineinhalb Stunden lang einem 84-Jährigen zuhören?

Ein Flyer mit Ausstellungstexten von Ulrike Jensen, ein begleitender Bildband mit Fotos, Texten und Aussagen von Überlebenden sowie die Website www.projekt-generationen.org runden das Projekt »GENERATIONEN. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen« ab. Die Fotoausstellung selbst wird in verschiedenen KZ-Gedenkstätten und Städten gezeigt werden.

Fotos: Mark Mühlhaus | attenzione photographers
Texte: Ulrike Jensen

Ausstellung vom 15.04.2012 bis 13.06.2014

Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus
Alte Elbgaustraße 12
22523 Hamburg