Alle Beiträge von Winfried Mosler

Beileid Helge Hansen

 

Kære Helle, kære venner og kamerader fra Danmark,

med stor sorg har vi modtaget nyheden om Helge Hansens død..

Vores medfølelse gælder jer og hans pårørende.

Vi har oplevet Helge Hansen som en engageret og pålidelig kampfælle for erindringen om kz-lejren Neuengamme, han var en hædersmand. Regelmæssigt opsøgte han stedet, hvor han havde lidt og blev arresteret, Neuengamme. Det var en stor ære for os at kunne møde ham dér. Hans indsats for kz-mindestedets videre udvikling og ikke mindst for de forbund af de overlevende fanger, deres pårørende og efterladte, som fandt sammen i Amicale Internationale Neuengamme, er uforglemmeligt for os. Især er vi ham taknemligt for, at han fortsatte traditionen af den danske Landsforeningen, et stærk og tjenstedygtigt forbund..

Vi er ham også taknemligt for hans budskab til os, den yngre generation, at unge mennesker fandt modet for at yde modstand mod nazisternes herskab og de tyske besættere og derved risikere alt, også hvis det gjaldt deres liv. Vi vil prøve på og gøre voes bedste, at bære hans budskab videre.

Med de bedste ønsker og hjertelige hilsener

Thomas Käpernick for AG Neuengamme (Arbejdsfællesskabet Neuengamme)

Rede zum Volkstrauertag

von Bernhard Esser, gehalten am 18. November 2012
(geringfügig überarbeitete Fassung vom Mai 2014)

Sehr geehrte Frau Veit,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

ich möchte mich kurz vorstellen:
mein Name ist Bernhard Esser, ich bin Jahrgang 1944. Mein Großvater Fritz Esser wurde als Bürgerschafts- und Reichstagsabgeordneter gleich 1933 verhaftet und ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel, dem sogenannten „Kolafu“, inhaftiert.
Mein Onkel, Alwin Esser, wurde im November 1933 im „Kolafu“ von der Gestapo erschlagen. Zur gleichen Zeit war auch mein Vater, Rudolf Esser, in Fuhlsbüttel in Haft. Hier in Neuengamme war mein Vater ab Februar 1944 bis März 1945 politischer KZ-Häftling. Sie alle hätten wenig Verständnis dafür, dass ich heute hier am Volkstrauertag spreche.

Mein Großvater, mein Vater und ich kannten alle noch sehr gut die Volkstrauertage, die ab 1952 bis weit in die 70er Jahre hinein, immer noch fast wie die alten Heldengedenktage begangen wurden. Mit viel Pathos gedachte man der toten Soldaten beider Weltkriege. Heute ist allgemein anerkannt, dass deutsche Soldaten des zweiten Weltkrieges einen verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieg führten und dabei zugleich zu Tätern und Opfern wurden.

Meine Familie stand auf der anderen Seite, derer man Jahrzehnte nicht gedachte und um die man offiziell in Deutschland lange Zeit nicht trauerte. Dies galt für die Opfer in den KZ´s wie hier in Neuengamme genauso wie für die Menschen des Widerstandes und für die Kriegsgegner. Ich erinnere mich noch sehr gut, als meine Großmutter in den 50-iger Jahren jeden Abend die riesige, eiternde Wunde meines Großvaters versorgte, die er sich im ersten Weltkrieg (1917) zuzog, als ihm die Schulter weggeschossen wurde. Er als Pazifist, der mir als kleiner Junge versicherte, niemals einen Menschen angeschossen oder erschossen zu haben, weil er immer bewusst danebengeschossen hat, er musste sich sein Leben lang mit dieser schweren Verletzung quälen, über vierzig Jahre lang.

Ich erinnere ebenfalls noch sehr gut, wie mein Vater in den frühen 50-iger Jahren in seiner Schuhmacherwerkstatt einen Zornesausbruch hatte, als er erfuhr, dass der KZ- Arzt Ulrich Schnapauff seine Arztpraxis in Fuhlsbüttel wieder eröffnen durfte. Dr. Schnapauff war von 1933 bis 1945 für das Konzentrationslager/Gestapogefängnis Fuhlsbüttel zuständig. Er war derjenige KZ- Arzt, der 1933 auf dem Totenschein meines Onkels Alwin Esser den Mord durch die Gestapo als Suizid dokumentierte.

Wie im Fall des Dr. Schnapauff erlebten mein Großvater und mein Vater, dass in der Nachkriegszeit zahlreiche alte Nazis wieder aus ihren Löchern krochen und einflussreiche Positionen in Politik, Justiz und im gesamten öffentlichen Leben einnahmen.

Ich erinnere mich auch noch sehr gut, jeden Morgen wenn ich zur Arbeit zum Postamt am Stephansplatz ging, dass ich diesen schrecklichen, kriegsverherrlichenden Klotz am Dammtor sah, auf dem in so menschenverachtender Weise in Stein gemeißelt steht „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“. Diese Soldaten- und Heldenverehrung war mir stets zuwider.

Wir sollten heute auch derer gedenken, die man viel zu lange aus der öffentlichen Erinnerung ausgeschlossen hat: der Deserteure. Für mich die wahren Helden, die zu Hitler und Deutschlands mörderischem Krieg „Nein“ gesagt haben.

Wir wollen der unzähligen Frauen und Männer in ganz Europa gedenken, die im Widerstand gegen die Nazis ihr Leben riskierten und allzu oft leider auch verloren haben.

GENERATIONEN. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen

Fotoausstellung

Mark Mühlhaus eindrucksvolle Aufnahmen, die im Rahmen von Veranstaltungen in Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und Polen entstanden, zeigen auf künstlerische Weise verschiedene Generationen des Erinnerns: KZ-Überlebende besuchen die alten Orte ihres Leidens, werden von ihren Angehörigen begleitet, treffen einander und begegnen Jugendlichen. Junge und alte Menschen reden oder schweigen, gedenken miteinander, sprechen und lachen oder trauern gemeinsam. Die nachdenklichen, traurigen, aber auch teils fröhlichen, ja fast übermütigen Photos, dokumentieren den Bezug der unterschiedlichen Generationen zueinander und regen dazu an, über die Weitergabe und die Zukunft des Erinnerns nachzudenken.

Denn nicht nur HistorikerInnen und GedenkstättenpädagogInnen, auch und besonders die Überlebenden selbst, wie Toni Dreilinger aus Israel, sorgen sich, die Erinnerung könne mit ihnen sterben: Wir haben Angst, dass es verloren geht nach unserem Tod. Wir werden nicht ewig da sein. Viele ZeitzeugInnen besuchen aus diesem Grund bis ins hohe Alter die ehemaligen Orte ihres Leidens. Sie treffen junge Menschen, erzählen wieder und wieder von ihren Erfahrungen im KZ, vom Verlust ihrer Familien, ihrer Würde, ihrer Hoffnungen, von Demütigungen, Schlägen, Hunger und Tod. Und die jungen Leute, die diese ZeitzeugInnengespräche besuchen, honorieren dies, wie Robert, Teamer eines Workcamps in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen 2010 berichtete: Die Jugendlichen merken, wie besonders es ist, dass jemand eine so negative Erfahrung mit ihnen teilt und wie persönlich Zeitzeugen dann aus ihrem Leben berichten, über Sachen, die wirklich grausam sind und über die es schwer fällt zu sprechen. Und dass die Zeitzeugen diesen Schritt gehen, über ihre Erlebnisse zu sprechen und das ihnen fremden Jugendlichen anzuvertrauen, das empfinden diese wirklich als etwas Besonderes und dafür sind sie dankbar und interessiert. Und wann hat man schon mal Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren, die eineinhalb Stunden lang einem 84-Jährigen zuhören?

Ein Flyer mit Ausstellungstexten von Ulrike Jensen, ein begleitender Bildband mit Fotos, Texten und Aussagen von Überlebenden sowie die Website www.projekt-generationen.org runden das Projekt »GENERATIONEN. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen« ab. Die Fotoausstellung selbst wird in verschiedenen KZ-Gedenkstätten und Städten gezeigt werden.

Fotos: Mark Mühlhaus | attenzione photographers
Texte: Ulrike Jensen

Ausstellung vom 15.04.2012 bis 13.06.2014

Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus
Alte Elbgaustraße 12
22523 Hamburg

Trauer um Robert Pinçon

Am Samstag, den 27. Oktober 2012 verstarb im Alter von 90 Jahren der langjährige Präsident der Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN)

Der international vielfach ausgezeichnete Robert Pinçon prägte federführend über 20 Jahre lang die Geschicke dieses Zusammenschlusses der Vereinigungen der Überlebenden, Hinterbliebenen und Angehörigen der Häftlinge des KZ Neuengamme in ganz Europa. Sein Einsatz galt der Bewahrung der Erinnerung an die Schrecken des Naziregimes, der Durchsetzung einer Gedenk- und Dokumentationsstätte in Neuengamme und dem Engagement für eine gerechte und friedvolle Welt.

Der am 25. Februar 1922 geborene Robert Pinçon engagierte sich als Absolvent der École Supérieure de Commerce de Paris im Widerstand gegen die deutsche Besatzungsherrschaft. Nach seiner Verweigerung der Rekrutierung zum Arbeitsdienst in Deutschland lebte er seit 1943 mit falschen Papieren im Untergrund. Am 16. Juni 1944 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter verhaftet. Es folgten Verhöre und Folter durch die Gestapo und am 31. Juli 1944 die Deportation ins KZ Neuengamme, wo er unter anderen in den Tongruben und im Klinkerwerk arbeiten musste. Im Zuge der Lagerräumung entging er der Bombardierung der KZ-Schiffe in der Lübecker Bucht, da er zu den Glücklichen zählte, die kurz zuvor durch das Schwedische Rote Kreuz gerettet werden konnten. Er traf am 3. Mai 1945 in Trelleborg ein – und damit genau an dem Tag, an dem fast 7000 Häftlinge des KZ Neuengamme beim Untergang der „Cap Arcona“ und „Thielbek“ starben.

Der auf 35 kg abgemagerte Robert Pinçon war ein Jahr lang krank, ehe er 1946 wieder mit der Erwerbsarbeit beginnen konnte. In den folgenden Jahren arbeitete er in leitenden kaufmännischen Positionen der Kohle- und Erzbergbauindustrie. Seine Arbeit war mit vielen Reisen und längeren Auslandsaufenthalten verbunden.

Seit 1970 engagierte sich Robert Pinçon, der als Mitglied des „Parti Socialiste“ verschiedene kommunalpolitische Funktionen wahrnahm, in der Amicale de Neuengamme. 1984, ein Jahr nach seinem Ruhestand, wurde er Generalsekretär der französischen Amicale. Er engagierte sich besonders im Kampf gegen Geschichtsrevisionismus und Rassismus. Auf dem Kongress der Amicale Internationale KZ Neuengamme, der im Oktober 1990 in Mariánské Lázňe (Tschechoslowakei) stattfand, wurde er zu deren Präsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode über 22 Jahre inne.

Als im Herbst 2001 der neu gewählte Hamburger Senat die vorab getroffenen Vereinbarungen zur Übergabe des ehemaligen Lagergeländes an die Gedenkstätte wieder rückgängig machen wollte, reagierte Robert Pinçon schnell und energisch: Gemeinsam mit Jean Le Bris, Delegierter der französischen Amicale in der AIN, reiste er kurzerhand nach Hamburg und erzwang gemeinsam mit dem Generalsekretär der AIN, Fritz Bringmann, ein Gespräch mit dem designierten Ersten Bürgermeister, Ole von Beust. Weitere harte Verhandlungen mit von Beust und den Senatoren für Justiz, Bau und Kultur folgten, die schließlich zur Schließung beider Gefängnisse in Neuengamme und zur Herrichtung des ehemaligen Lagergeländes zu Dokumentations- und Bildungszwecken führte. 2005 weihte er in Neuengamme gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Ole von Beust die neue Gedenkstätte in Neuengamme in Anwesenheit von 250 ehemaligen KZ-Häftlingen und Besucherinnen und Besucher aus Hamburg und der ganzen Welt ein.

Robert Pinçon, der den Umgestaltungsprozess der Gedenkstätte als Mitglied verschiedener Gremien aktiv begleitete, wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet. Am 12. November 2010 überreichte ihm die Zweite Bürgermeisterin Christa Goetsch im Hamburger Rathaus das Bundesverdienstkreuz, das ihm vom Bundespräsidenten „für seine Bemühungen um Völkerverständigung und für seinen Kampf gegen aktuelle Formen des Faschismus“ verliehen wurde. Christa Goetsch betonte, dass es in erheblichem Maße seiner Initiative zu verdanken sei, dass aus dem ehemaligen Lagergelände des Konzentrationslagers Neuengamme in Hamburg ein würdiger Ort des Gedenkens geworden sei. Es sei damit auch sein Verdienst, dass die Stadt Hamburg zu einem „angemessenen offenen und ehrlichen Umgang mit dem furchtbaren geschichtlichen Erbe“ gefunden habe. Dies sei eine Grundvoraussetzung für wahre Völkerverständigung und ein gutes Miteinander im Europa des 21. Jahrhunderts.

Unvergessen ist die Rede von Robert Pinçon im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses am 3. Mai 2010, zu deren Abschluss er erklärte: „Die Zeit ist vergangen, doch die Erinnerung an all diese Kameraden lebt immer in uns weiter. Seit 65 Jahren vergeht kein einziger Tag, ohne dass unsere Gedanken uns nach Hamburg und Neuengamme zurückführen, sei es nur wegen des hier erlebten Leidens. Diese Erde ist auch unsere. Ich bin vermutlich nicht der Einzige, der das empfindet, und in diesem Rathaus möchte ich in der Sprache Goethes, Schillers, Thomas Manns, Günter Grass und so vieler anderer im Namen aller Deportierten sagen: ‚Wir sind alle Hamburger‘!“

Zu seinem 90. Geburtstag erklärte er, dass dieses Alter für ihn selbst unvorstellbar sei. Denn nach seiner Befreiung 1945, als er in Schweden langsam wieder gesund gepflegt wurde, hätte er es schon als Gnade empfunden, vielleicht noch 10 Lebensjahre zu leben. Nun sind in seinem zweiten Leben, dem Leben nach dem KZ, 67 Jahre erfüllten Schaffens geworden. Bei seinem letzten Besuch in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme am 16. Mai dieses Jahres, als er die von ihm wie ein Schatz in Ehren gehaltene Häftlingskleidung seiner Mutter übergab, formulierte Robert Pinçon den Wunsch: „Die Erinnerung an die vielen toten und leidenden Menschen während des Naziregimes soll wachgehalten werden – von den nächsten Generationen.“

Mit Robert Pinçon verliert die Gedenkstättenarbeit in Neuengamme nicht nur einen ihrer wichtigsten Protagonisten. Wir verlieren auch einen beeindruckenden, doch stets unprätentiösen, klugen und immer warmherzigen Menschen, der sein Leben der Bewahrung der Erinnerung an die Schrecken des Naziregimes, der Durchsetzung einer Gedenk- und Dokumentationsstätte in Neuengamme und dem Engagement für eine gerechte und friedvolle Welt gewidmet hat. Seinem Vermächtnis, dem Vermächtnis der KZ-Überlebenden werden wir uns weiterhin verpflichtet wissen.

Amicale Internationale KZ Neuengamme
Ulrike Jensen

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme
Bertrand Wahls

KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Dr. Detlef Garbe

Trauer um Robert Pinçon (PDF)

Pressemitteilung vom 22.09.2012

Angriff auf ehemalige Zwangsarbeiterinnen
und Zwangsarbeiter in Hamburg‐Bergedorf am 21.09.2012

Mit Bestürzung und Wut hat die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme von einem gewalttätigen Angriff auf eine Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie ihrer Angehörigen in Hamburg‐Bergedorf erfahren.
Diese waren aus Polen angereist, um der Einweihung des Mahnmals am Schleusengraben beizuwohnen, das an den Arbeitseinsatz tausender Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und Häftlinge des KZ Neuengamme während des Zweiten Weltkriegs in Bergedorfer Betrieben erinnern soll.Zu Beginn der Veranstaltung rannte ein Mann auf die hoch betagten Menschen zu und sprühte ihnen Pfefferspray ins Gesicht. Acht Personen mussten ärztlich versorgt werden. Doch es sind vor allem die seelischen Schmerzen dieser Menschen, die uns mit Wut und Trauer erfüllen. Offensichtlich wollte der Angreifer den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung die Anerkennung ihrer Leiden verweigern und traumatisierte sie damit ein weiteres Mal. Die unverletzten Mitglieder der Delegation entschieden sich, die Zeremonie, die trotz des Zwischenfalls fortgeführt wurde, geschlossen zu verlassen, mussten aber abseits stehend noch warten, bis sie abgeholt wurden.Dieser Anschlag schade dem Ansehen Deutschlands und sei „eine Schande für Deutschland“ war in der Presse zu lesen. Das Ansehen Deutschlands ist allerdings absolut nebensächlich, denn hier geht es um die Menschen, denen – wieder einmal – in Deutschland und von Deutschen geschadet wurde.Bergedorf hat eine aktive rechte Szene ‐ ist dies der Bergedorfer Polizei nicht bekannt? Warum wurden nicht mehr Menschen zum Schutz der Veranstaltung eingesetzt? 20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock‐ Lichtenhagen und fast ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Morde durch den NSU berichten Organisationen gegen rechts und Opferberatungsstellen rechter Gewalt, dass trotz der Sonntagsreden von Politikern die Strategie von Polizei und Justiz großteils unverändert darin besteht, rechte Gewalt zu verharmlosen und zu verbergen.Angriffe rechter Schläger werden häufig als Streit unter Jugendlichen oder als Taten sogenannter Spinner oder Einzeltäter verharmlost. So auch in diesem Fall. Ob der Angreifer psychisch verwirrt war oder nicht: Sein Angriff war offensichtlich geplant und politisch motiviert.

Fast 68 Jahre nach der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager gehören rechtsradikale und rassistische Anschläge auf Gedenkstätten, jüdische Friedhöfe, auf Juden (wie kürzlich in Berlin), auf Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge oder wie in Bergedorf auf Überlebende der NS‐Verbrechen, wieder vermehrt zum bundesdeutschen Alltag.

Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, als Organisation der politischen Überlebenden des KZ Neuengamme gegründet und heute Organisation ihrer Angehörigen und Unterstützer, fordert von Bezirk Bergedorf, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bundesregierung, von Polizei und Verfassungsschutz und nicht zuletzt von jedem Einzelnen:

Nehmen Sie endlich zur Kenntnis, dass es in Deutschland rechte Gewalt gibt!
Hören Sie auf, wegzuschauen und zu verharmlosen, denn damit wird das Problem nicht gelöst.

Projekte gegen rechte Gewalt sind seit langem von Mittelkürzungen betroffen. Dies muss sich ändern, um zu gewährleisten, dass ein Klima geschaffen werden kann und Menschen vor Übergriffen wie diesem geschützt sind.

Mehr Informationen im PDF

Pressemitteilung vom 05.08.2012

PRESSE‐ERKLÄRUNG der TeilnehmerInnen des Internationalen Jugendworkcamps 2012 in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme

30 Jahre Internationale Workcamps in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme

Seit Sonnabend, den 28.7.2012, findet in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme das Internationale Jugendworkcamp 2012 statt. 13 junge Menschen aus 9 Ländern sind nach Hamburg gekommen um sich mit der Geschichte des KZ Neuengamme auseinander zu setzen. Sie sind nicht die ersten die diesen Weg nehmen, bereits 1982 fand das erste Internationale Jugendworkcamp in Neuengamme statt. Darum steht das 30‐jährige Jubiläum der Workcamps dieses Jahr thematisch im Mittelpunkt. Die TeilnehmerInnen werden die Geschichte der Internationalen Workcamps in Neuengamme recherchieren und mit einer Ausstellung würdigen.Als 1982 das erste Workcamp durchgeführt wurde, standen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme noch zwei Haftanstalten der Stadt Hamburg. Die Geschichte des KZ warselbst in Hamburg kaum bekannt. Die meisten Überreste des ehemaligen Lagers waren nicht zugänglich und an die heutige KZ‐Gedenkstätte war noch nicht einmal zu denken. Junge Menschen aus aller Welt wollten dies nicht länger hinnehmen und setzten sich dafür ein, die Spuren des ehemaligen KZ freizulegen. So wurden die ersten Rundwege auf dem Gelände geschaffen und eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ Neuengamme angestoßen.

In den folgenden Jahren kamen immer wieder unterschiedlichste Menschen zu den Workcamps, um diese Arbeit weiterzuführen. Ohne ihr Engagement gäbe es die KZ‐Gedenkstätte Neuengamme nicht in ihrer heutigen Form. Deswegen wird es nach 30 Jahren Zeit, diese Geschichte ausführlich zu erzählen. Dafür
wurden auch Beteiligte der ersten Camps interviewt.

Die TeilnehmerInnen des diesjährigen Workcamps blicken aber nicht nur in die Vergangenheit. Am 1. August nahmen sie am „Ohlsdorfer Friedensfest“ und dem dortigen Begegnungscafe ehemals NS‐Verfolgter teil. Und am heutigen Montag werden sie sich am Hiroshimagedenktag beteiligen. Gerne werden sie dort der Einladung des “Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal” folgen und den sog. Kriegsklotz am Dammtor symbolisch mit Picassos „Guernica“ verhüllen.

Eröffnung der diesjährigen Workcamp‐Ausstellung:
Donnerstag, 9. August 2012 um 15 Uhr im Studienzentrum der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme, Jean‐Dolidier‐Weg 75
Zum Besuch des Workcamps und Gesprächen mit den TeilnehmerInnen laden wir Sie herzlich ein. Wir stehen für Interviews und Nachfragen zur Verfügung, Foto‐, Ton‐ und Videoaufnahmen sind erlaubt.

Hintergrundinformationen:
Das KZ Neuengamme wurde während der Kriegsjahre mit über 80 Außenlagern zum zentralen Konzentrationslager für Norddeutschland ausgebaut. Die größte Häftlingsgruppe kam aus der Sowjetunion. Als Folge des Prinzips der „Vernichtung durch Arbeit“ überlebte nur die Hälfte der insgesamt etwa 100.000 Häftlinge. Bis vor kurzem befanden sich außer der Gedenkstätte noch zwei Haftanstalten auf dem ehemaligen Lagergelände, die inzwischen abgerissen sind.
Seit 1982 finden in der KZ‐Gedenkstätte Neuengamme internationale Jugendworkcamps statt. Das diesjährige Workcamp ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Service Civil International (SCI) und der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.. Die diesjährigen TeilnehmerInnen kommen aus Deutschland, Kirgistan, Polen, Russland, Serbien, Slowenien, Taiwan, Tschechien, der Türkei und der Ukraine. Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme (AGN) wurde 1948 als nteressenvertretung deutscher ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen gegründet.
Seitdem fördert und pflegt sie den Kontakt und Zusammenhalt zwischen den Überlebenden des KZ Neuengamme und sieht sich der solidarischen Unterstützung ehemaliger Widerstandskämpfer/innen und Verfolgten des Nazi‐Regimes verpflichtet. Mitglieder der AGN sind nicht mehr nur ehemalige Häftlinge des KZ Neuengamme und seiner Außenlager bzw. deren Angehörige und Hinterbliebene. Alle, die die Ziele des Vereins unterstützen und in seinem Sinne für Frieden, Humanität, für die Abwehr jeglicher Versuche der Relativierung der NS‐Verbrechen, gegen die Verunglimpfung der von den Nationalsozialisten Verfolgten und Ermordeten einstehen und die aktive Erinnerungsarbeit unterstützen, sollen und können Mitglied der AGN sein.

Internationales Jugend-Workcamp 2011

Unter dem Motto „Blickwinkel“ fand im Juli in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme das alljährliche Internationale Jugendworkcamp statt.

Organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. erarbeiten 20 junge Menschen aus 13 Ländern in Workshops eine Ausstellung zu Gedenkorten von Außenlagern des KZ Neuengamme in Hamburg.

Einige TeilnehmerInnen, die sich mit dem Frauenaußenlager Wandsbek-Drägerwerke beschäftigen, suchten diesen Ort am Mittwoch, den 27.7.2011, auf. „Wir wurden überrascht von mit schwarzer Farbe besprühten Schildern, die sonst den Weg zur KZ-Gedenkstätte weisen“ berichtet Ana Smerdu (18 Jahre, aus Slowenien). Dies geschah nicht zum ersten Mal, wie die TeilnehmerInnen im Gespräch mit dem Polizeibeamten vor Ort und mit Bernhard Esser (Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V., die sich seit Jahren für die KZ-Gedenkstätte einsetzt) erfuhren.
Seit die kleine KZ-Gedenkstätte im Mai 2010 eingeweiht wurde, ist sie mehrfach beschmiert und beschädigt worden. „Wir sahen Fotos von Hakenkreuzschmierereien vorheriger Angriffe auf die Gedenkstätte und fragen uns, warum so aggressiv reagiert wird. Es sollte doch ein Ort der Erinnerung sein und Respekt gezeigt werden“ erklärt Svetlana Khoruzina (18 Jahre, aus Russland).
„Wir sind schockiert über diese Respektlosigkeit“ sagt Natalia Melamed (18 Jahre, aus Russland) und fragt, ob dies ein Zeichen für wachsenden Neo-Nazismus sei. Sergii Prokopenko (22 Jahre, aus der Ukraine) erklärt, dass es auch in der Ukraine Probleme mit Neo-Faschismus gäbe. Nachdem die TeilnehmerInnen mehr über die Geschichte des Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke und die Konflikte im Kontext der Entstehung dieser Gedenkstätte erfahren haben, halfen sie Bernhard Esser die Gedenkstätte zu reinigen. „Niemand außer ihm kümmert sich um die Gedenkstätte. Er reinigt sie in seiner Freizeit und wir helfen ihm gern dabei, denn diejenigen, deren Aufgabe es wäre, kümmern
sich leider nicht“ erklärt Nina Sutter (18 Jahre, aus der Schweiz). „Es ist wichtig und für uns auch eine Ehre diese Arbeit zu tun, denn wenn wir uns um den Zustand dieser Gedenkstätte kümmern, haben wir die Möglichkeit unseren Respekt gegenüber den Opfern der Nazis zu zeigen.“ Fasst Svetlana Khoruzina ihre Motivation zusammen.

Was die TeilnehmerInnen des Internationalen Jugendworkcamps eint, ist das gemeinsame Interesse über diese Geschichte zu lernen, zu diskutieren, sich über die jeweiligen „Blickwinkel“, die sie mitbringen, auszutauschen. „Wir kamen alle aus verschiedenen Ländern, aber wir sind miteinander verbunden über das Interesse etwas zu bewegen und zu verändern und dafür zu sorgen, dass bestimmte Ereignisse nicht vergessen werden“ beschreibt Ivana Kostandinovic (23 Jahre, aus Serbien) dies auf dem gemeinsamen Blog, mit dem die TeilnehmerInnen ihre Arbeit und Gedanken dokumentieren.

Mit diesen Eindrücken, Interviewmaterial und Fotographien, machten sich die TeilnehmerInnen wieder zurück auf den Weg zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Unter diesem Link finden sie einen Artikel der „Bergedorfer Zeitung“:

Mehr Informationen

Hintergrundinformationen
Seit 1982 finden in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme internationale Jugendworkcamps statt. Das diesjährige Workcamp ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Service Civil International, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.
Die TeilnehmerInnen kommen aus Deutschland, Russland, der Ukraine, Schweiz, Belgien, der Türkei, Serbien, Tschechien, Slowenien, Rumänien, Moldawien, Spanien und Japan.

Auf dem Blog http://neuengammeworkcamp2011.wordpress.com/ verarbeiten die TeilnehmerInnen ihre Recherche und Eindrücke. Die fertigen Ergebnisse werden in einer Ausstellung im Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme präsentiert. Es gibt die bei der Eröffnung die Möglichkeit mit den TeilnehmerInnen des Workcamps ins Gespräch zu kommen und Ton-, Foto- und Filmaufnahmen zu machen.

Das Workcamp wurde finanziell unterstützt von: Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Continental, Drägerwerke AG & Co. KGaA, GHVG – Großmarkt Hamburg Verwaltungsgenossenschaft, Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, Autodock und Stiftung Deutsches Holocaust Museum.

Und hier geht es zum Blog des Workcamps: http://neuengammeworkcamp2011.wordpress.com/

Fritz Bringmann

Wir verneigen uns vor der beispiellosen Lebensleistung eines Mannes, der aktiver Widerstandskämpfer der ersten Stunde gegen die Nazi-Barbarei war.

Fritz Bringmann musste für seinen kompromisslosen Widerstand bitter bezahlen mit dem Verlust seiner Freiheit noch in Jugendjahren. Aber er überlebte seine von 1935 bis 1945 währende Haftzeit im Gestapo-Gefängnis Lübeck, in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Neuengamme und Osnabrück und im Zuchthaus Bremen-Oslebshausen.

Seinem Widerstand im KZ Neuengamme kommt in der Geschichte des Lagers eine besondere Bedeutung zu. Anfang Januar 1942 lehnte er als Häftlingssanitäter im Krankenrevier einen SS-Befehl zur Tötung schwer kranker sowjetischer Kriegsgefangener ab. Er blieb bei seiner Weigerung, auch nachdem er schwere Prügel von der SS hatte einstecken müssen und trotz der offenkundigen Gefährdung seines eigenen, damals noch so jungen Lebens.

Für Fritz Bringmann endete der Widerstand nicht im Mai 1945. Konfrontiert mit den Versuchen der Stadt Hamburg, das KZ Neuengamme möglichst in Vergessenheit geraten zu lassen, wählte er zusammen mit anderen ehemaligen politischen Häftlingen des KZ Neuengamme den Weg der aktiven Erinnerung. Fritz Bringmann spielte eine zentrale Rolle beim so langen Kampf um das Gedenken in Hamburg und Neuengamme. Bereits ab 1949 war er Vorstandsmitglied der im Vorjahr gegründeten Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, später deren Vorsitzender und bis heute ihr Ehrenpräsident. Auch im internationalen Überlebendenverband, der 1958 gegründeten Amicale Internationale de Neuengamme, nahm er als Generalsekretär, Vizepräsident und späterer Ehrenpräsident eine herausragende Rolle ein.

Dem unermüdlichen Einsatz von Fritz Bringmann und der Amicale Internationale KZ Neuengamme ist es zu verdanken, dass der Jahrzehnte andauernde Skandal der Nachkriegsnutzung des KZ-Geländes zu Strafvollzugszwecken schließlich beendet werden konnte.

Den Abriss der Gefängnisse in Neuengamme in den Jahren 2003 und 2007 durfte Fritz Bringmann, anders als viele seiner ehemaligen Kameraden, noch erleben. Für seine Verdienste gegen das Vergessen wurde Fritz Bringmann im In- und Ausland mehrfach ausgezeichnet. Im Januar 2000 erhielt er schließlich das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, für das ihn Hamburgs Bürgermeister Henning Voscherau bereits 1993 vorgeschlagen hatte. Die Verleihung war zunächst vom damaligen Bundesinnenminister Kanther unter Hinweis auf die politische Gesinnung Fritz Bringmanns abgelehnt worden, der im KZ Sachsenhausen Kommunist geworden war und blieb.

Wichtig war Fritz Bringmann die Arbeit mit jungen Menschen. Im Rahmen ungezählter Schulbesuche klärte er bis zuletzt Generationen von Schülerinnen und Schülern über die Verbrechen des Nationalsozialismus auf, immer verbunden mit seiner Forderung, sich auch im Hier und Jetzt für eine Welt ohne Krieg und ohne Faschismus einzusetzen.

Diese seine zentrale Forderung – „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ – bleibt sein Vermächtnis, das wir als bleibenden politischen Auftrag annehmen.

Fritz Bringmann ist in der Nacht zum 31. März 2011 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Wir trauern um diesen ganz besonderen Menschen. Er hat uns viel bedeutet!

Der Vorstand und die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.