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ad memoriam Christian Hartz

Einladung: Am Freitag 29. September 2017 findet im Hamburger Schulmuseum das Ad-memoriam für Christian Hartz statt. Damit sollen seine langjährigen Leistungen gewürdigt und einige seiner Überlegungen, Ideen und Ergebnisse gedanklich als Vermächtnis ausgesprochen werden.

Christian Hartz war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme. Wir sind Mitveranstalterin. Weitere Informationen und die Anmeldeadresse finden sich in der pdf hier:

ad memoriam Christian Hartz 29092017 Einladung

Die Erinnerung ab und Verantwortung für das Verbrechen der NS-Zwangsarbeit bleiben aktuell.

Erklärung der Lagergemeinschaften „Dem Rechtsruck entgegentreten“

Dem Rechtsruck entgegentreten

Erklärung des Netzwerks der Lagergemeinschaften

aus Anlass der Bundestagswahl am 24. September 2017

Mit überaus großer Besorgnis nehmen wir, die Vertreter der von den ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager gegründeten Interessenverbände, den weltweiten Rechtsruck und die Erfolge der Rechtspopulisten in Europa und Deutschland zur Kenntnis.

Vor dem Hintergrund des ungebremsten globalen Kapitalismus haben sich Armut und soziale Ungerechtigkeit sowie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Konflikte in den letzten Jahren erheblich verschärft. Armut, anhaltende Kriege und religiös begründete Radikalisierung führen weltweit zu instabilen Verhältnissen und großen Flüchtlingsbewegungen.

Eine allgemeine Verunsicherung äußert sich momentan europaweit in dem Wieder-aufleben nationalistischer und völkischer Ideologien, die sich nicht nur gegen alles vermeintlich Fremde und Andersartige und ein geeintes Europa richten, sondern auch gegen die über Jahrzehnte erkämpften Errungenschaften der demokratischen Zivilgesellschaft. Diese Werte und Errungenschaften, Offenheit und Akzeptanz, Solidarität und Mitbestimmung, Emanzipation und Schutz von Minderheiten, nicht zuletzt die Freiheit der Presse und von Wissenschaft, Kunst und Kultur, gilt es mit allen Kräften zu verteidigen und den reaktionären Tendenzen entgegenzutreten.

In einigen Ländern Europas sind Rechtspopulisten schon an der Regierung, in anderen konnte dies nur durch den Zusammenschluss aller demokratischen, antifaschistischen Kräfte verhindert werden. Besonders unerträglich für uns ist der Erfolg der AfD in Deutschland, die mit Islam- und Fremdenfeindlichkeit sowie weiteren rechten Positionen ein bedrohlich großes Wählerpotential erreichen kann. Ihre Vertreter bezeichnen die Gedenkkultur an die nationalsozialistischen Verbre-chen als Zeichen der Schande und fordern ein Ende der „politischen Korrektheit“.

Dies geschieht in einer Zeit, in der nur noch wenige Überlebende der Konzen-trationslager aus eigenem Erleiden Auskunft über die Verbrechen des Nationalsozialismus geben können.

Im „Vermächtnis der Überlebenden“ erklärten 2009 die Vertreter von zehn internationalen Häftlingsverbänden:

(…) Aber auch Europa hat seine Aufgabe: Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen, Gruppen und Völkern Zwietracht zu säen. (…) Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.“

Wir, die wir dieses Vermächtnis fortführen, wenden uns deutlich gegen jegliche Form rechter, menschen- und demokratiefeindlicher Ideologien und Tendenzen und stellen uns dieser wachsenden Bedrohung, gemeinsam mit allen demokratisch Gesinnten, nach Kräften entgegen.

Nach dem sich abzeichnenden Ende der Zeitzeugenschaft kommt den KZ-Gedenkstätten und den Gedenkstätten und Museen zum NS-Terror eine noch größere Bedeutung in der Vermittlung der Geschichte zu. Daher fordern wir von der Bundesregierung und den Landesregierungen eine intensivere Förderung dieser Gedenkstätten und Museen. Ebenso fordern wir alle Vertreter der demokratischen Parteien auf, dies zu unterstützen und sich für eine bessere Ausstattung der Gedenkstätten einzusetzen, insbesondere im Bereich der pädagogischen Arbeit. Junge Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, sich qualifiziert und differenziert mit diesem Teil der Geschichte zu beschäftigen, um sich kritisch mit den Inhalten des Rechtspopulismus auseinandersetzen zu können.

Unterzeichnende Verbände:

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.

Unterstützer:

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisttinnen

Und Antifaschisten e.V. ( VVN -BdA )

Gedenkveranstaltung in Wandsbek, 29.8.2017, in Kooperation mit der Bezirksversammlung Wandsbek und dem Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Vor 73 Jahren: Ein KZ mitten in Wandsbek

Gedenkveranstaltung Dienstag, 29. August 2017, 18.00 Uhr, Ort: KZ-Gedenkstätte Wandsbek

Programm

Begrüßung: Peter Pape (Vorsitzender der Bezirksversammlung Wandsbek)

Rede: Stefan Romey (Autor des Buches: Ein KZ in Wandsbek)

Musikalische Begleitung durch: Alexandra Hebart (Mezzosopran) und Katharina Hempel (Gitarre)

Die gesamte Einladung zu dieser Veranstaltung findet sich in dieser PDF: Gedenkveranstaltung Wandsbek 2017

Bei dieser Veranstaltung hat Stefan Romey eine Rede gehalten, die lesenswert ist. Hier ist sie zu finden:

Rede Gedenktag Helena Igerc 29.8.2017

Rückschau auf “Austerlitz“

Am 20. März zeigte die AGN den Dokumentarfilm „Austerlitz“ von Serge Loznitsa im Centro Sociale in Hamburg. In diesem Film werden Besucher und BesucherInnen von KZ-Gedenkstätten gezeigt. Im Anschluss diskutierten wir -der Filmkritiker Dietrich Kuhlbrodt musste leider absagen- mit Ulrike Jensen, Leiterin des Bereiches Gedenkstättenpädagogik der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
In „Austerlitz“ werden erschreckende Zustände dokumentiert. Im Sommer -so vermitteln es die Bilder des Filmes- strömen große Mengen leger gekleideter Tourist*innen in KZ-Gedenkstätten (wir erkannten viele Szenen aus der Mahn-und Gedenkstätte Sachsenhausen). Sie stauen sich vor Baracken, machen Selfies an bekannten Punkten wie dem Eingangstor oder dem Krematorium und packen ihre Fresspakete aus. Die Besucher*innen wirken manchmal gut gelaunt und erlebnishungrig. Die Standkamera von Loznitsa fing zeitweise auch die Erklärungen von Guides der KZ-Gedenkstätten ein. Deren Erklärungen wirken z.T. deplatziert und schienen uns im Stile von Touristenführungen (nicht im Sinne einer Gedenkstättenpädagogik) konzipiert zu sein. Beispielsweise setzt ein Guide zu einem Monolog zur Geschichte von Georg Elser und dem Scheitern seines Attentates an.
Der Filmkritiker Dietrich Kuhlbrodt hat in konkret (12/2016) eine Empfehlung ausgesprochen: „Der Film ist mir nahekommen. Intensiv.“ Beim Betrachten der langen Einstellungen von Sergei Loznitsa bleibt Zeit zum Reflektieren. Über BesucherInnen, die ihre Kinder mitbringen. Über Guides, die schlechte Stories erzählen. Oder über BesucherInnen, die ernsthaft Texte lesen, Orte wirken lassen (und eher nicht in Gruppen unterwegs sind).

In der Diskussion wurde kritisch zum Film angemerkt, dass die Reaktionen von BesucherInnen durch die filmische Einstellung deplaziert wirken, hier jedoch der Blick der Kamera nicht die Nachwirkung und spätere Verarbeitung zeigen kann. Oft treten bei Besuchen in KZ-Gedenkstätten Reaktionen auf, die nur auf den ersten Blick verfehlt wirken. Kritisch wurde auch gefragt, warum Loznitsa in schwarz/weiß gedreht hat.

Während der Diskussion wurde angemerkt, dass es erschreckend ist, wie weit auch Orte wie KZ-Gedenkstätten einer warenförmigen Rezeption unterworfen sind.
Doch scheint diese Art des Besuches nicht steuerbar. Eine Lenkung oder Kontrolle von BesucherInnen wünscht sich niemand. Wie und ob Mensch aus einem solchen Besuch lernt, ist von vielen weiteren Faktoren abhängig.
Ulrike Jensen merkte an, dass die KZ-Gedenkstätte Neuengamme angesichts wesentlich kleinerer BesucherInnenmengen noch nicht so stark mit solchen Problemen konfrontiert ist.
Dieser Film hat einige wichtige Fragen, denen sich KZ-Gedenkstätten stellen müssen, aufgezeigt.