Gedenkfeier in Wandsbek 2018 mit großer Resonanz

Am 29.8.2018 wurde in Wandsbek des Frauen-Außenlagers des KZ Neuengamme gedacht. Mit Redebeiträgen beteiligten sich die Bezirksversammlung Wandsbek, Herr Peter Pape, und das Internationale Jugend-Workcamp, das auf der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stattfand. Der Gewerkschaftschor Hamburg steuerte vier eindrucksvolle Lieder bei und es wurden mit Unterstützung des Freundeskreises der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Rosen auf das Mahnmal gelegt zum Gedenken an die Häftlingsfrauen.

Allen der mehr als 100 Teilnehmenden danken wir herzlich. Die hohe Beteiligung ist uns auch deshalb wichtig, weil vor der Veranstaltung ein Hinweisschild zur Gedenkstätte Wandsbek von Unbekannten gestohlen wurde.

Stefan Romey hielt eine eindrückliche Rede über die Solidarität einer Gruppe der Häftlingsfrauen, die wir zur Lektüre empfehlen:

Rede Wandsbek 2018

70 Jahre Arbeitsgemeinschaft Neuengamme

Am 8. Juni feierte die Arbeitsgemeinschaft zusammen mit 50 Gästen 70 Jahre AGN. Die Rede hielt Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Ulrike Jensen diskutierte mit Gerhard Händler, Schura Bringmann und Marc Schemmel.

Vielen Dank den Musikern und allen, die geholfen haben. Da der Redebeitrag der AGN nicht gehalten wurde, gibt es hier die Möglichkeit, ihn nachzulesen:

Impulse 2018-6-8 AGN Jubiläum websitetext Endfassung

 

Frühjahr 2018: Jubiläen und Gedenkfeiern

2018 – die AIN, die Amicale Internationale KZ Neuengamme, wird 60 Jahre alt und feiert am 1. Mai in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme im Curio-Haus ab 19 Uhr. Hier ist der Flyer:Einladungskarte_AIN_1.5.2018

Am 3. Mai, dem Tag der Schiffskatastrophe in der Neustädter Bucht, gedenken wir ab 10 Uhr am Mahnmal in Neustadt-Pelzerhaken. Das Programm ist hier zu finden: Programm_Neustadt 3.5.2018_dt

Und am Freitag 8. Juni ab 18.30 feiert die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme ihre 70jährige Geschichte, auch im Curio-Haus. Wir freuen uns über alle, die mitfeiern möchten.

Redebeitrag: Dr. Detlef Garbe/ Beitrag der AG Neuengamme/ Podiumsgespräch mit Kindern und Enkeln von Häftlingen des KZ Neuengamme/ Musik: Erich Schaffner, begleitet von Georg Klemp am Klavier

Wir freuen uns, wenn ihr euch anmeldet (muss aber nicht sein): mail@ag-neuengamme.de

Lesung mit Martine Letterie am 14. Dezember 2017

Lesung und Gespräch

Martine Letterie: „De Genen van mijn Vader“ – Eine Familiengeschichte

Datum: Donnerstag, 14.12.2017, Zeit: 19.00 Uhr, Veranstaltungsort: Schulmuseum Hamburg, Seilerstraße 42, 20359 Hamburg

Die niederländische Schriftstellerin Martine Letterie hat in Kinderbüchern die Verfolgung durch den Nationalsozialismus thematisiert. Nun hat sie ein Buch für Erwachsene verfasst: In „De Genen van mijn Vader“ („Die Gene meines Vaters“) blickt sie auf 400 Jahre Familiengeschichte zurück. Im Mittelpunkt stehen ihre Großeltern Martinus und Sjoedje. Martinus war einer der 6850 Niederländer und Niederländerinnen, die in das KZ Neuengamme deportiert wurden. Eine Liste der niederländischen Polizei, auf der er als Unterstützer der Kommunistischen Partei aufgeführt war, führte zu seiner Verhaftung. Martinus starb im Januar 1942 im KZ Neuengamme.

Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache stattfinden.Martine Letterie ist Vorsitzende der „Stichting Vriendenkring Neuengamme“, dem Verband der ehemaligen Häftlinge des KZ Neuengamme und ihrer Angehörigen in den Niederlanden. Als Vertreterin der dritten Generation der NS-Verfolgten ist es ihr wichtig zu zeigen, wie sich die Folgen des Nationalsozialismus und des Krieges auch heute noch auswirken.

Eine Kooperationsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, der Amicale Internationale KZ Neuengamme und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Eintritt frei

Hier die Ankündigung als PDF:Flyer_Lesung_Letterie_20171214

Die AfD und die Erinnerungskultur

Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. und die Amicale Internationale KZ Neuengamme unterstützt nachdrücklich die Initiative der „Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland“, die sich in der Erklärung „KZ-Gedenkstätten befürchten schweren Schaden für die Erinnerungskultur“ dagegen aussprach, dass ein Vertreter oder eine Vertreterin der AfD den Vorsitz im Kulturausschuss des Bundestages einnehmen könnte.

Die AfD beschädigt mit ihren provozierenden Äußerungen, von denen einige in der angesprochenen Erklärung zitiert sind, nicht nur die Erinnerungskultur, sie diffamiert die Verfolgten und Überlebenden der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die jahrzehntelang dafür kämpften, dass kein Schlussstrich gezogen werden darf.

In dem „Vermächtnis der Überlebenden“ erklärten 2009 die Vertreter von zehn Verbänden ehemaliger Häftlinge und Angehöriger:

Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollten.“

Wir rufen dazu auf, die im Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge genannten Werte in Gegenwart und Zukunft zu verteidigen und für sie einzustehen.

Erklärung zu Hubert Zafke – SS-Sanitäter waren keine Rädchen im Getriebe

Hamburg, 28. September 2017

SS-Sanitäter waren keine Rädchen im Getriebe
Der Fall des ehemaligen SS-Mannes Hubert Zafke – Erklärung zur Einstellung des Verfahrens

Mit Fassungslosigkeit und Empörung haben wir die Einstellung des Gerichtsverfahrens gegen den früheren SS-Mann Hubert Zafke zur Kenntnis genommen. Auch 72 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus ist es offenbar noch immer nicht möglich, den Opfern des Nationalsozialismus und ihren Nachkommen vor bundesdeutschen Gerichten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft warf Hubert Zafke vor, dass er im KZ Auschwitz „durch seine Tätigkeiten das auf Arbeitsteilung beruhende Vernichtungsgeschehen“ gefördert und somit Beihilfe zum Mord geleistet zu haben. Die Anklage lautete auf Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen.

Klaus Kabisch, der Vorsitzende Richter am Landgericht Neubrandenburg, sah das anders. Er legte es von Anfang an darauf an, den Prozess zu verzögern, die Beweiserhebung zu blockieren und Nebenkläger aus dem Verfahren zu drängen. Nach wiederholten Befangenheitsanträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage sowie einer Strafanzeige wegen Rechtsbeugung entzog das Landgericht dem Richter im Juni 2017 endlich das Verfahren. Dieser Schritt kam jedoch zu spät. Zweieinhalb Jahre nach Anklageerhebung ist der Angeklagte nun nicht mehr verhandlungsfähig. Aufgrund der Verschleppung des Verfahrens durch den Richter bleiben Zafkes Taten im nationalsozialistischen Vernichtungsapparat ungesühnt.

Während Hubert Zafke im KZ Auschwitz Dienst tat, wurde an der Rampe Walter Plywaskis Mutter zur unmittelbaren Vergasung selektiert. Walter Plywaski war einer der Nebenkläger im Neubrandenburger Prozess, die Richter Kabisch aus dem Verfahren zu drängen versuchte. Zafke versah seinen Dienst in Auschwitz als SS-Sanitäter im Krankenrevier, wo ebenfalls Selektionen durchgeführt wurden. Zuvor war er im KZ Neuengamme eingesetzt. Auch im Krankenrevier dieses Konzentrationslagers wurden routinemäßig kranke und geschwächte Häftlinge durch Giftspritzen umgebracht. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 1.000 Menschen geschätzt. SS-Sanitäter waren keine Rädchen im Getriebe, sie haben auch aktiv gemordet. Welche Kenntnis Hubert Zafke von diesen Verbrechen hatte und was er tat, wird nun für immer ungeklärt bleiben.

Jahrzehntelang wurden die Taten von SS-Angehörigen in den Konzentrationslagern kaum oder nur mit geringen Strafen geahndet. Erst in den letzten Jahren zeigten Gerichte die Bereitschaft, den KZ-Dienst in den Vernichtungslagern als Beihilfe zum Mord anzuerkennen. Der Bundesgerichtshof hat 2016 das Urteil im Lüneburger Auschwitz-Prozess vom Juli 2015 gegen den SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Menschen bestätigt. Auch im Detmolder Prozess befand das Landgericht 2016 den SS-Wachmann Reinhold Hanning der Beihilfe zum Mord an 170.000 Menschen im KZ Auschwitz für schuldig, wenn auch das Urteil nicht mehr rechtskräftig wurde. Diese Fortschritte wurden vom Landgericht Neubrandenburg konterkariert. In der Öffentlichkeit machte sich zudem Empathie mit dem Angeklagten breit. Sein Strafverteidiger Peter-Michael Diestel, der das Verfahren als „Todesstrafe“ für seinen Mandanten bezeichnete, hat Zafke in absurder Umkehr der Tatsachen als Opfer dargestellt.

Wo es um die Anerkennung der Opfer und die Aufklärung von Verbrechen geht, sind zivilisatorische Mindeststandards berührt. Die Bemühungen um Aufklärung müssen intensiviert werden. In der Öffentlichkeit, in den Familien und auch in Gedenkstätten muss eine Selbstaufklärung stattfinden. Nicht nur die Überlebenden, auch ihre Nachkommen müssen gehört und anerkannt werden, denn ihnen ist jahrzehntelang Unrecht widerfahren, auch durch die mangelnde Ahndung der NS-Verbrechen. Zukünftig wird es kaum mehr möglich sein, Täter und Täterinnen vor Gericht zu stellen. Es müssen nun andere Wege gefunden werden, um den Opfern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit zu verschaffen.

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V., Hamburg
Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V., Hamburg
Context. Bausteine für historische und politische Bildung e.V., Rostock
Amicale Internationale KZ Neuengamme